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Geographisch stellt diese wahrscheinlich berühmteste und bekannteste DO Spaniens eine Besonderheit dar. Der Großteil der Rebflächen mit 62.000 Hektar liegt zwar in der autonomen nordostspanischen Region La Rioja, doch ein Teil davon befindet sich auch in den beiden Regionen Baskenland (der Subbereich Alavesa) und Navarra. Der Bereich besitzt eine sehr alte Weinbau-Geschichte. Es sind zahlreiche in Stein gehauene Gärbecken erhalten, die einen Weinbau bereits in der Antike bezeugen. Die Bemühungen um Ursprungs-Bezeichnung und auserlesene Qualität haben eine sehr lange Tradition. Schon um das Jahr 1560 beschlossen die Winzer ein einheitliches Brandzeichen für ihre Fässer, um die Identität der Weine aus diesem Gebiet zu garantieren.
Der Bürgermeister von Logroño verbot im Jahre 1635 sogar den Verkehr von Fuhrwerken durch Straßen, an denen sich Weinkeller befanden. Dies erfolgte aus der Sorge, dass durch Fahrzeuge hervorgerufene Erschütterungen den Traubenmost verderben und somit den Reifeprozess der Weine beeinträchtigen könnten. Der erste schriftliche Hinweis auf eine Qualitätskontrolle und Weingarantie stammt aus dem Jahr 1650. Im Jahre 1787 wurde die „Real Sociedad Económica de Cosecheros de Rioja“ (königlicher Wirtschaftsverband der Rioja-Winzer) mit dem Ziel gegründet, Weinanbau, Weinbereitung und Weinhandel zu fördern.
Einer der Rioja-Pioniere war der Marqués Camilo Hurtado de Amézaga, der 1860 auf seinem 200 Hektar großen Weingut eine Bodega nach Bordeaux-Vorbild errichtete und Reben aus dem Bordeaux anpflanzen ließ. Nach der Reblausinvasion Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten viele französische Winzer in diese Gegend aus und gaben dem Weinbau damit auch französische Impulse. Im Jahre 1902 erfolgte ein königlicher Erlass mit der Definition der Herkunft für die Rioja-Weine und einer Etikettierungs-Regel.
Ein im Jahre 1926 gegründeter Kontrollrat wurde mit den Aufgaben betraut, das Rioja-Gebiet zu begrenzen, die Ausgabe eines „Garantiesiegels“ zu überwachen und den Namen Rioja zu schützen. Im Jahre 1953 wurde der Kontrollrat der Herkunfts-Bezeichnung Rioja gegründet, der auf Grund von organoleptischen Proben und analytischen Untersuchungen prüft, ob der Wein den strengen Bestimmungen gerecht wird. Im Jahre 1991 verlieh ein Ministererlass dem Herkunftsgebiet Rioja das Attribut „calificada“ (qualifiziert) und erhob es so zur ersten höchsten spanischen Qualitätsstufe DOCa. Der Name der DO und des Weines leitet sich vom Fluss Oja ab (Rio Oja). Der über 100 Kilometer lange große Bereich liegt an beiden Ufern des Ebro sowie an den Hängen der angrenzenden Hügel. Es herrscht ein mildes Klima mit kurzem Sommer und schönem Herbst vor.Die wichtigste Rioja-Rebsorte ist Tempranillo, die mit knapp 28.000 Hektar rund 60% der Rebfläche ausmacht.
Rund 75% des Rioja wird als Rotwein, 15% als Rosé und nur 10% als Weißwein produziert. Der rote Rioja wird zu 80% aus der Hauptsorte Tempranillo mit Anteilen von Garnacha Tinta (Grenache Noir), Graciano und Mazuelo (Carignan), sowie den seit Jahrgang 2007 erlaubten Maturana Parda und Maturana Tinta gekeltert. Experimentiert wird seit einiger Zeit auch mit Cabernet Sauvignon und Merlot, die mit einer Sondergenehmigung verwendet werden dürfen. Die Rotweine werden nahezu ausschließlich trocken ausgebaut. Der Rosé wird auch halbsüß vermarktet. Jährlich werden rund 180 Mio Liter Riojas erzeugt, ein Drittel wird in 70 Länder exportiert. Rioja wird in drei Subzonen gegliedert:
Rioja Alta: Die 24.000 Hektar große Zone mit der Stadt Haro als Weinzentrum liegt südlich des Ebro-Flusses und westlich der Stadt Logrono. Das Klima ist unter Einfluss des Atlantiks von heißen Sommern, milden Herbsten und kühlen Wintern geprägt. Die Weingärten liegen auf Ablagerungs-Böden, durchmischt mit kalk- und eisenhaltiger Tonerde. Die dominierende Rebsorte ist Tempranillo, gefolgt von Mazuelo und Graciano, die alle etwas dickere und extraktreichere Schalen wie in den anderen zwei Rioja-Bereichen entwickeln. Hier werden die besten und finessenreichsten Riojas produziert. Die körperreichen Weine mit hohem Anteil an Säure und Tanninen sind für einen Fassausbau hervorragend geeignet.
Rioja Alavesa: Die 12.000 Hektar große Zone liegt nördlich des Ebro-Flusses im Baskenland. Das Klima ist ähnlich dem in Rioja Alta, in den Weingärten herrschen Kalk-Tönböden vor. Die bestimmende Rebsorte ist Tempranillo mit einer etwas dünneren Schale. Hier überwiegen leichte, fruchtige und würzige Rotweine mit mittlerem Alkohol- und Gesamtsäure-Gehalt. Sie können als Jungweine konsumiert werden, sind aber auch für den Fassausbau geeignet. In der Regel sind sie nicht so lagerfähig wie jene aus Rioja Alta.
Rioja Baja: Die 20.500 Hektar große Zone östlich von Logrono ist die wärmste und trockenste. Hier herrscht mediterranes Klima mit geringeren Niederschlagsmengen vor. Die Weingärten liegen überwiegend auf eisenhaltigen Tonerden mit Ablagerungen. Die dominierende Rebsorte ist die rote Garnacha. Hier gibt es extraktreiche, alkoholreiche Rotweine mit bis zu 15% vol sowie Roséweine. Die aromatischen und oft frühreifen und jung zu genießenden Weine gelten als nicht so edel wie der beiden anderen Rioja-Gebiete.
Die früher prinzipielle Gepflogenheit, die Rioja-Flaschen mit goldfarbenem Drahtgeflecht zu umwickeln ,wird heute nur mehr teilweise praktiziert. Die traditionelle, immer noch dominierende Weinbereitung wird durch lange Fasslagerung in 225-Liter-Fässern aus amerikanischer Eiche geprägt. Dies ergibt Weine mit fast bräunlicher Farbe, typischen Vanille-, Gewürz- und Zitronen-Noten und weichen Gerbstoffen. Neuerdings wird eine kürzere Fasslagerung und anschließende Flaschenreifung forciert, um die Weine früher trinkreif zu machen.
D.O.Ca steht für „Denominación de Origen Calificada“ und bedeutet qualifiziertes, geschütztes Ursprungsgebiet. Insgesamt zählt Spanien 61 geschützte Ursprungsgebiete für Wein, aber nur zwei dürfen zusätzlich das Adjektiv „qualifiziert“ tragen, das sie an die Spitze der spanischen Qualitätspyramide rückt : Die Rioja erhielt 1991 diese Auszeichnung, gefolgt zehn Jahre später vom Priorat. Als einfache D.O. existiert die Rioja bereits seit 1926 und war somit das erste Anbaugebiet des Landes mit dieser Bezeichnung und der damit einhergehenden Qualitätsgarantie. Das D.O.Ca-Reglement legt wichtige Eckdaten wie die Anbaufläche, zugelassene Rebsorten, Höchsterträge, Weinbereitungstechniken sowie Art und Dauer des Ausbaus fest und wahrt so die Qualität und Typizität der Rioja-Weine. Die Einhaltung der D.O.Ca-Statuten wird vom Kontrollrat der D.O.Ca Rioja überwacht. Als Qualitätssiegel tragen alle Flaschen ein fälschungssicheres Etikett mit einer Kontrollnummer und dem Rioja-Logo.
Im Kontrollsystem der D.O.Ca Rioja sind die maximalen Hektarerträge für jeden einzelnen Winzer, sowie die Weinbereitungs- und Ausbautechniken festgelegt. Seit 1993 dürfen Rioja-Weine ausschließlich in dem Produktionsgebiet selbst in Flaschen abgefüllt werden. Der Technische Dienst kontrolliert die Weinberge, begutachtet Weinstöcke, überprüft Rebflächen und Bepflanzungsdichte und nimmt Weinproben. Erst nach diesen Prüfungen erhalten die Bodegas eine bestimmte Anzahl nummerierter und fälschungssicherer Etiketten, die ihren Wein als echten Rioja kennzeichnen.
Im gesamten Weinanbaugebiet D.O.Ca Rioja gibt es rund 560 Kellereien. Alle Kellereien unterliegen ausnahmslos den strengen Qualitätskontrollen des Consejo Regulador.
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